Zum Verlag
Der Implex-Verlag wurde im Januar 2003 von Dr. Barbara Kirchner gegründet.
Natürlich liegen wie so oft auch bei dieser Verlags-Gründung die Ursprünge weit zurück. Unnötige biographische Einzelheiten wie "davon hat Sabine schon immer geträumt" können wir uns sparen. Ein vorbereitender Schritt sei dennoch erwähnt: das Buchprojekt "Phonon", ein fiktives, aber trotzdem geschriebenes Buch von Dietmar Dath, in einer fiktiven Edition im Verbrecher-Verlag, benannt nach der Gruppe Pfadintegral. Innerhalb kürzester Zeit war die Zwergauflage vergriffen. Die Zeiten sind bitter, jede Branche der Kulturindustrie versucht derzeit ihren eigenen Einbruch mit Binnenerklärungen zu verkleistern und man entschuldigt sich überall für das, was man macht: eigentlich sind wir keine Zeitung, eigentlich sind das keine Bücher, eigentlich machen wir was anderes als Platten, alles ist leicht verständlich, unterhaltsam, bitte, bitte, kauft uns wieder. Macht aber keiner. Redaktionen, Lektorate, Literarturagenturen: vorauseilende Entmündigung des sogenannten Lesers als Liebeswerben – wenn ihnen doch bloß wer sagen würde, wie blöd die Kundschaft wirklich ist, wie viele Bildchen und Lebenshilfekäsigkeiten sie haben will, würden sie das ja alles liefern.

1. Uns langt's.

2. Wir glauben, es gibt einen nichtgedeckten Bedarf an Zeug, das wenigstens diejenigen für gut, wahr und richtig halten (for a start), die es machen, ohne dabei schon ständig daran zu denken, wie man es anstreichen muß, damit "die Dummen" (die nicht bei der Kundschaft, sondern den Vermittlern sitzen: nur Angst macht dauerhaft dumm) es fressen.

3. Damit diese Position nicht völlig verschwindet, gründen wir ein rein defensives Überwinterungsinselchen.

4. Die programmatische Arbeit des Verlags wird sich mit zunächst ganz kleinen Schritten (Hauptsache, wir schießen nicht zuviel zu) in drei Richtungen bewegen, die ineinander greifen und in ihrer Wirkung wechselseitig verstärken sollen: Kulturkritik als politische Ästhetik, Direkt politische Anfälle und Literatur. Uns interessiert das Wahre, nicht das Wirkliche, uns interessieren, wie Literatur, Politik und Leben sein sollten, nicht, wie sie sind (sie sind nämlich nicht so toll).

5. Wir heißen "Implex-Verlag", weil wir glauben, daß den dummen Zuständen weniger dumme Zustände bereits implizit sind. Man kann sie nämlich denken, und das könnte man nicht, wenn sie nicht auch machbar wären. Der Stand der Geschichte hat also einen Implex, etwas, was (noch) nicht ist, was man aber explizit machen kann. Da tun wir mit.

6. Nicht alles, was wir machen, wird in diesem Verlag passieren – aber das, was wir nicht erst Lektoren, Verlegern etc. erklären wollen, deren Angst vor "den Leuten" und der Pleite ihren Verstand lähmt und daher Kompromisse erzwingt, die der Sache und der Stimmung schaden. Was also ohnehin erst mal wenige Leute erreichen soll, das soll diese wenigen Leute wenigstens wirklich erreichen.

Barbara Kirchner, Eugen Leviné, Dietmar Dath und drei, vier Leute mit schwarzen Skimasken.

 
IMPLEX-VERLAG

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